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Karl der Große

Karl der Große war der erste abendländische Kaiser des Mittelalters. Nach dem Tod seines Vaters und seines Bruders wurde er zum alleinigen Herrscher der Franken. In den ersten Jahrzehnten seiner Herrschaft konzentrierte er sich auf die Sicherung und Expansion seines Reiches.

In zahlreichen Feldzügen dehnte er dessen Grenzen immer weiter aus. Er herrschte schließlich über ein Gebiet, das in den Zeiten seiner größten Ausdehnung von Spanien bis Sachsen und von Dänemark bis Mittelitalien reichte. Im Namen der katholischen Kirche christianisierte er die heidnischen Sachsen, wobei er vor Gewalt nicht zurückschreckte.

Als Höhepunkt seines machtpolitischen Strebens ließ er sich an Weihnachten des Jahres 800 in Rom von Papst Leo III. zum Kaiser krönen.

Aachen als Hauptstadt des Reiches

Zeichnung Josef Buchkremer von 1904, Domkapitel / Grafische Sammlung

Nicht viel sprach dafür, dass Karl der Große Aachen zu seiner bedeutendsten Residenz erheben würde. Auf dem Gebiet der heutigen Innenstadt gab es bereits kurz vor Christi Geburt eine römische Siedlung. Auch sind archäologische Befunde für eine merowingische Kapelle und eine Pfalz zu Pippins Regierungszeit vorhanden. Aber eine wirkliche Bedeutung hatte das von jagdreichen Wäldern umgebene und geographisch in der Mitte des Reiches gelegene Aachen mit seinen von Karl geschätzten Thermalquellen bis dahin nicht.

Der Aufschwung setzte ein, als Karl beschloss, die vorhandene Anlage seines Vaters zu seiner Hauptresidenz auszubauen. Für eine kurze Zeit wurde das kleine Aachen zum politischen Zentrum des größten Reiches, das seit dem Ende des römischen Imperiums auf europäischem Boden herangewachsen war.

Karolingische Renaissance

Unter Karl dem Großen wurde der Hof zum intellektuellen Zentrum des Reiches. Der in seiner späten Lebensphase sesshaft gewordene Frankenkaiser versammelte die geistige Elite aus allen Teilen seines Reiches um sich. Anknüpfend an die Ideale der Antike, aber unter Zugrundelegung christlicher Traditionen, gingen vom Karlshof viele Reformen in Literatur, Sprache, Bildung und Baukunst aus. Heer, Gerichts- und Münzwesen wurden neu geordnet, Bistums- und Klosterschulen gegründet, eine neue Schrift – die karolingische Minuskel – eingeführt.

Seit der Römerzeit hatte es kein monumentales Bauen in Stein mehr gegeben. Mit der Maria gewidmeten Pfalzkapelle des Kaisers entstand zwischen 793 und 813 ein Kirchenbau, der wegweisend für die architektonische Entwicklung im nördlichen Europa wurde. Karl baute seine Marienkirche als Abbild des Himmlischen Jerusalem, das die Berührung des Irdischen mit dem Himmlischen symbolisierte. Mit dem Marienstift gründete er eine Gemeinschaft von Geistlichen, die täglich zu festgelegten Zeiten das Chorgebet verrichteten. Mehrmals am Tag wurden Messen gefeiert. Viele bis heute erhalten gebliebene Darstellungen greifen das Thema „Karl als Bauherr der Kirche“ auf.

Best of Kaiser Karl

Karl der Große mit dem Modell der Marienkirche, Öl auf Holz, Rheinland, um 1460
Karl der Große stiftet die Marienkirche, Eichenholz, Aachen oder Köln, um 1300
Karl der Große in fränkischer Kleidung, Holz (farbig gefasst), Wilhelm Schmitz/Aachen, 1886
Karl der Große auf dem Corona-Leopardus-Schrein, Werkstatt Bernhard Witte/Aachen, 1911/1912
Karl der Große mit dem Modell der Marienkirche, Öl auf Holz, Aachen (?), um 1460

Mythos Karl der Große:
Was bleibt?

Vater Europas, frommer Kaiser, Kriegsherr – in der heutigen Geschichtsschreibung ist Karl der Große umstritten. Immer wieder wird er für unterschiedliche Zwecke vereinnahmt.

Zweifellos lässt sich jedoch sagen, dass viele Einflüsse und Traditionen auf ihn zurückgehen. Eine Spurensuche…

Wallfahrt

Die Aachener Heiligtumsfahrt geht auf den Reliquienschatz Karls des Großen zurück. Der Legende nach soll er einen Reliquienschatz aus Jerusalem erhalten haben, zu dem das Kleid der Mutter Gottes, die Windel Jesu, das Enthauptungstuch Johannes des Täufers und das Lendentuch Christi gehörten. Diese vier Tuchreliquien werden seit 1239 im Marienschrein aufbewahrt. Seit 1349 werden die Heiligtümer alle sieben Jahre den Pilgern gezeigt.

Karlsschrein und Reliquiare

Im Jahre 1165 veranlasste Friedrich I. Barbarossa die Heiligsprechung Karls des Großen durch einen Gegenpapst. Von Rom wurde die Heiligsprechung nicht offiziell anerkannt. Anlässlich des Todestags am 28. Januar wird im Aachener Dom am jeweils letzten Sonntag im Januar ein feierliches Hochamt gefeiert (Karlsfest).

Zur Krönung von Barbarossas Enkel Enkels Friedrich II. im Jahr 1215 wurden die Reliquien Karls des Großen in den Karlsschrein überführt.

Zusätzlich zum Karlsschrein entstanden zahlreiche Reliquienbehälter wie die Karlsbüste und das Karlsreliquiar, in die Teile der Gebeine Karls aufgenommen wurden. Das Armreliquiar ist eine Schenkung des französischen Königs Ludwig XI. von 1481 und zeugt von dessen besonderer Verehrung.

Königskrönungen

Mit seiner Inthronisierung in Aachen im Jahre 936 begründete König Otto I. die Funktion der Marienkirche als Krönungsort der deutschen Könige. Bis 1531 wurden 30 Könige und zwölf Königinnen in der Aachener Stiftskirche gekrönt. Das Zeremoniell auf dem Marmorthron im Hochmünster galt als Sinnbild für die „‚Inbesitznahme“ des Reiches.