Junge Dombauhütte macht Steinmetzkunst am Dom erlebbar
Besucher können Restaurierungsarbeiten bis September hautnah verfolgen

An der Anna- und Matthiaskapelle des Aachener Doms haben in dieser Woche umfangreiche Restaurierungsarbeiten begonnen. Vier der markanten Fialen – kleine, spitz aufragende Sandsteintürmchen auf dem Kapellendach – wurden mit Hilfe eines Krans demontiert und vom Dach gehoben. Die filigranen Bauteile sind durch jahrzehntelange Witterungseinflüsse stark beschädigt, Risse gefährden ihre Stabilität. Nun werden sie erneuert – und zwar sichtbar für die Öffentlichkeit.
Auf dem Katschhof wurde jetzt die „Junge Dombauhütte“ eingerichtet. Dort arbeiten seit dieser Woche junge Steinmetzgesellinnen und -gesellen über mehrere Wochen gemeinsam mit erfahrenen Fachkräften an den neuen Fialen. Besucherinnen und Besucher können dabei beobachten, wie aus rohen Steinblöcken kunstvoll gestaltete Bauteile entstehen.
Das Projekt knüpft an eine jahrhundertealte Tradition an. Das Bauhüttenwesen gehört seit 2020 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Mit der „Jungen Dombauhütte“ schafft der Aachener Dom einen außergewöhnlichen Lern- und Arbeitsort, an dem handwerkliches Wissen generationsübergreifend weitergegeben wird. Zwei junge Steinmetze und eine Steinmetzin haben bereits ihre Arbeit aufgenommen und werden sieben Wochen lang vor Ort tätig sein, bevor eine zweite Gruppe übernimmt.
Betreut wird der Nachwuchs von Steinmetz und Bildhauer Berthold Welter, den Steinmetzmeistern der Dombauhütte, Markus von den Driesch und Sebastian Kerridge, sowie Dombaumeister Dr. Jan Richarz.
Weitere Schäden am Mauerwerk entdeckt
Die Arbeiten der Jungen Dombauhütte sind Teil eines umfassenderen Restaurierungsprojekts an der Anna- und Matthiaskapelle, das sich erst kurzfristig ergeben hat. Bei der Untersuchung des Mauerwerks vom Gerüst aus traten Schäden zutage, die vom Boden aus nicht erkennbar waren: Teile des Mauerwerks weisen Risse und Abplatzungen auf. Stellenweise sind Baldachine und architektonische Gliederungen der Figuren instabil. Zudem müssen die Bleiabdeckungen an der Traufe erneuert werden.
Besonders überraschend war der Zustand des erst rund 20 Jahre alten Fugenmörtels. Untersuchungen ergaben, dass damals ein Material verwendet wurde, dessen Bestandteile bei Feuchtigkeit aufquellen können. Die dadurch entstehenden Spannungen schädigen den umliegenden Naturstein und führen langfristig zu Abplatzungen. Um größere Schäden zu verhindern, werden die Fugen nun großflächig erneuert. Beide Maßnahmen sollen nach aktuellem Planungsstand im Herbst abgeschlossen werden.

















