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Klug entscheiden, nichts riskieren, demütig sein!“

Für Dombaumeister Helmut Maintz wird die neue Innenbeleuchtung im Dom die letzte große Amtshandlung vor seinem Eintritt in den Ruhestand

Helmut Maintz‘ Lieblingsplatz ist die Laterne in luftiger Höhe. Foto: Christoph Hartmann

Auf seine Spuren werden zweifellos noch viele nachfolgende Dombaumeister und -meisterinnen stoßen. Denn die Spuren, die Helmut Maintz in Bauplänen, Zeichnungen und Scans, in Filmen, Fotos, analogen und digitalen Dokumenten hinterlassen hat, sind groß. Und sie erstrecken sich über einen langen Zeitraum: In seiner mehr als 35-jährigen Laufbahn am Aachener Dom hat der Bauingenieur die komplette Grundsanierung des Weltkulturerbes begleitet und betreut, später maßgeblich (mit)geplant und koordiniert. Wenn sich Aachens Dombaumeister am 31. Januar 2023 in den Ruhestand verabschiedet, dann geht er in dem guten Gefühl, dass Aachens Wahrzeichen in einem „zufriedenstellenden“ Zustand ist. Das war nicht immer so. Ende der 1980er Jahre bröckelte das auf Karl den Großen zurückgehende Bauwerk vor sich hin.

„Die Sorgen um das Gebäude haben meinen Vorgänger Hans-Karl Siebigs dazu veranlasst, sämtliche Schäden auf einer acht Meter langen Tapetenrolle festzuhalten“, erinnert sich Helmut Maintz. Der damalige Dompropst Hans Müllejans war alarmiert und stieß nach dem Kirchweihfest 1988 eine Rettungskampagne an. Sie sollte 30 Jahre lang dauern und mehr als 37 Millionen Euro kosten. ,„Die meiste Zeit habe ich den Dom teilverpackt erlebt. Irgendwo stand immer ein Gerüst“, schmunzelt der 63-jährige. Statik, Mauerwerk, Dachstühle, Fenster, Mosaike – nach und nach wurde die Marienkirche innen und außen einmal auf links gedreht. Und dabei stießen die Beteiligten auf viele interessante Spuren aus der Vergangenheit.

Für die Ewigkeit gebaut

Die wichtigste Entdeckung kam 2009 ans Licht. Aus dem Fundament des Zentralbaus buddelten Fachleute zwei 60 Zentimeter lange Eichenpfähle aus. Die Datierung auf das Jahr 798 (+/- 5 Jahre) lieferte zum 1. Mal einen handfesten Beweis für den tatsächlichen Baubeginn. „Die besten Baumeister der damaligen Zeit haben die Pfalzkapelle Karls des Großen für die Ewigkeit gebaut und exzellente Arbeit geleistet. Die hatten echt was drauf!“ Helmut Maintz macht aus seiner nicht nachlassenden Hochachtung vor der damaligen Baukunst kein Hehl und betont, dass für bestimmte Konstruktionen wie die im Mauerwerk des Oktogons verborgenen Eisenringanker keine technisch besseren Lösungen gefunden werden konnten. „Wir haben diese 1200 Jahre alte Konstruktion, die für die statische Sicherheit verantwortlich ist, trotz ihres Rostbefalls nach langem Abwägen nicht angerührt. Stattdessen wurde zur Stabilisierung ein neuer Anker eingefügt. Klug entscheiden, nichts riskieren, demütig sein – das war und ist im Hinblick auf den Erhalt des Doms meine Maxime!“

Zu den ungewöhnlichsten Sanierungsmaßnahmen zählt Maintz das sogenannte Erdbebenpflaster, das 2015 von Wissenschaftlern entwickelt wurde, um einen Riss im Kernbau zu kitten. „Das Pflaster besteht aus einer Mörtelschicht mit Karbonfasermatten, das bei einem neuen Erdbeben sehr viel Energie aufnehmen kann, damit sich der Riss nicht vergrößert“, erklärt der Dombaumeister. Sein persönliches Highlight war die von 2006 bis 2011 andauernde Sanierung der Mosaike. Unzählige Steinchen mussten für die Arbeiten am Mauerwerk abgenommen, auf Hochglanz poliert und später wie ein Puzzle wieder richtig zusammengesetzt werden. „Es war ein erhebendes Gefühl, wie aus der schwarzen Sauce Abschnitt für Abschnitt das Kuppelmotiv freigelegt wurde und so strahlend glänzte wie bei der Herstellung 1880/81!“

Ob sich dieses erhabene Gefühl auch einstellen wird, wenn er sein letztes Großprojekt abgewickelt hat? Für das letzte Amtsjahr hat sich der Dombaumeister noch einiges vorgenommen. Nach fast 40 Jahren muss die Innenbeleuchtung im Dom komplett erneuert werden. Ein kniffliges Unterfangen, denn die Anforderungen an das neue Lichtkonzept sind höchst komplex: künstlerisch wertvoll und dennoch praxistauglich, zurückhaltend und dennoch sinnbehaftet, stromsparend und energieeffizient soll es sein. „Mit dem Architekturbüro und den beteiligten Lichtplanern arbeiten wir aktuell an der finalen Entwurfsplanung“, erzählt Maintz. Die neuen Kabel müssen möglichst unsichtbar sein und so verlegt werden, dass keine größeren Eingriffe in die historische Bausubstanz nötig sind. „Wenn wir schon einmal dabei sind, die Kabelschächte zu öffnen oder neue Schlitze zu ziehen, machen wir gleich die gesamte Elektrik mit und optimieren den Brandschutz.“

Gute Vernetzung zu Fachbetrieben und Hochschulen

Rauchdetektoren und Kameras, die direkt an eine Alarmanlage mit direktem Draht zur Berufsfeuerwehr gekoppelt sind, sollen künftig für ein Höchstmaß an Sicherheit im Dominneren sorgen. Die Kosten für die Elektrik und den Brandschutz in Höhe von 790.000 Euro übernimmt der Karlsverein-Dombauverein. Die Mittel für die neue Beleuchtung – nach neuesten Schätzungen etwa 650.000 Euro – muss das Domkapitel selber aufbringen. „Der Großteil ist über Rücklagen und Spenden schon zur Seite gelegt worden. Allerdings haben sich die geschätzten Kosten seit Beginn der Planung deutlich erhöht“, berichtet der Dombaumeister. „Aktuell fehlen uns noch knapp 200.000 Euro. Insofern sind wir ein weiteres Mal auf Spenden angewiesen, um das Projekt in einem Aufwasch abwickeln zu können. Ich würde meinem Nachfolger oder meiner Nachfolgerin nur sehr ungerne ein unvollendetes Projekt hinterlassen!“

Das würde in der Tat nicht zu ihm passen. Das weiß auch Dompropst Rolf-Peter Cremer, der lobende Worte für seinen bekanntesten Mitarbeiter findet. „Der Name von Helmut Maintz ist eng verbunden mit der langjährigen Grundsanierung des Doms. In seiner langjährigen Laufbahn als Dombaumeister findet er dank seines Fachwissens und seiner guten Vernetzung zu Fachbetrieben und Hochschulen, zum europäischen Bauhüttenwesen und der UNESCO für alle baulichen und denkmalpflegerischen Herausforderungen gute Lösungen, in deren Rahmen stets auch der kulturelle und seelsorgerische Auftrag des Doms aufrechterhalten werden kann. Sein hoher persönlicher Einsatz sorgt zudem für eine große Anerkennung in der öffentlichen Wahrnehmung.“

Wahrlich große Fußstapfen, die der oder die nachfolgende Dombaumeister/-in ab Februar 2023 ausfüllen muss. Die Ausschreibung dieser besonderen Stelle wird derzeit vorbereitet und in den kommenden Wochen bundesweit veröffentlicht. Der Auswahlkommission wird eine auswärtige Dombaumeisterin angehören. „Ich möchte mich da überhaupt nicht einmischen“, sagt Maintz. „Im kommenden Jahr gebe ich die Verantwortung ab. Wenn man meinen Rat braucht, stehe ich selbstverständlich zur Verfügung. Aber ansonsten ziehe ich mich komplett zurück!“

Lebenslauf

  • geboren 1959 in Aachen
  • Studium: Bauingenieurwesen an der FH Aachen
  • seit März 1986 in der Dombauleitung
  • seit August 1997 Dombauleiter
  • seit Juli 2000 Dombaumeister
  • Lehrbeauftragter an der RWTH seit 2001
  • Lehrbeauftragter an der FH seit 2019
  • 2004 bis 2019 Schatzmeister im Vorstand der Europäischen Dombaumeister
  • seit 2012 Mitglied bei ICOMOS International (Berater-Organisation der UNESCO)

Spendenkonten des Domkapitels:
Pax-Bank Köln
IBAN: DE06 3706 0193 1000 6440 60
BIC: GENODED1PAX

Sparkasse Aachen
IBAN: DE22 3905 0000 0000 0012 55
BIC: AACSDE33

Verwendungszweck: Der Weg zum Licht